Rückblick 2015

Zukunftskongress Bayern 2015

“Sprung zur digitalen Verwaltung”
Zukunftskongress Bayern diskutiert E-Government

Der “Sprung zur digitalen Verwaltung”, von dem Bayerns Johannes Hintersberger, MdL, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat, auf dem Zukunftskongress Bayern sprach, war im Grunde auch das übergreifende Motto der Vorträge und Diskussionen, welches die gesamte zweitägige Veranstaltung prägte. Moderiert durch Staatssekretär a.D. Horst Wes¬terfeld, ehemaliger CIO des Landes Hessen, kamen hierzu über 200 Teilnehmer im Haus der Bayerischen Wirtschaft in München zusammen, um sich bei dem vom Behörden Spiegel erstmals ausgetragenen Kongress über die Herausforderungen der digitalen Transformation der Verwaltung in Bayern und darüber hinaus auszutauschen.
Der Freistaat Bayern setzt dabei gleich auf eine ganze Reihe von Instrumenten, von denen Hintersberger einige näher erläuterte. “Die Förderung des Breitbandausbaus, die Digitalisierungsstrategie Montgelas 3.0, freies WLAN und unser BayernNetz sind wichtige Bausteine für die Digitalisierung Bayerns. Mit der Fortschreibung des E-Government-Pakts haben wir den Schulterschluss mit den Kommunen gestärkt. Freistaat und Kommunen gestalten mit dem E-Government-Pakt Hand in Hand die digitale Zukunft und schließen den digitalen Verwaltungskreislauf. Ziel ist das Angebot eines orts-, zeit- und personenunabhängigen Zugangs zu den Leistungen der öffentlichen Verwaltung. Das BayernPortal ist dafür ein wichtiger Baustein”, so der Staatssekretär.

Schnelles Internet muss selbstverständlich sein

Das Thema Breitband steht in Bayern ganz weit oben auf der politischen Agenda, zumal ein Breitbandzugang unter den Verfassungsgrundsatz “gleiche Lebenschancen” fällt, der nach einem Volksentscheid im September 2013 Eingang in die Verfassung des Freistaats Bayern gefunden hat. Um dies zu gewährleisten, hat sich die Staatsregierung eine flächendeckende Breitbandversorgung mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde vorgenommen und stellt hierfür den Kommunen bis zum Jahre 2018 insgesamt 1,5 Milliarden Euro an Fördermaßnahmen zur Verfügung. Mit zunehmendem Erfolg, denn aktuell befinden sich bereits rund 80 Prozent der 2.056 Kommunen in entsprechenden Maßnahmen, unterstützt durch die lokalen Ämter für Digitalisierung, Breitband und Vermessungswesen. Hierzu wurden die Kompetenzen der ehemaligen Ämter für Vermessungswesen entsprechend erweitert. Das Credo, welches auch Staatssekretär Hinters¬berger auf dem Zukunftskongress formulierte, lautet: “Eine schnelle Internetverbindung muss selbstverständlich sein!” Hierzu investiere der Freistaat aktuell immerhin rund 2,5 Prozent seiner Haushaltsmittel in den Breitbandausbau, so Hintersberger weiter. Wie notwendig dieses Engagement ist, zeigt sich daran, dass derzeit in Bayern erst 24 Prozent des ländlichen Raumes mit Breitband ausgestattet sind.
Vorankommen will Hintersberger auch bei den Angeboten von freiem WLAN im öffentlichen Raum, welches in Deutschland aktuell aufgrund der geltenden gesetzlichen Regelungen noch einen sehr schweren Stand hat (vgl. hierzu den Beitrag auf Seite 25). Hier strebt man an, bis zum Jahre 2020 freies WLAN großflächig, auch im ländlichen Raum, zu ermöglichen. Der Geschäftsbereich des Finanzministeriums will hier mit gutem Beispiel vo¬rangehen und zukünftig in seinen Liegenschaften – etwa Finanz- und Vermessungsämtern, aber auch Schlössern – entsprechende Hotspots einrichten.

Schulterschluss mit der kommunalen Ebene

Auch beim Thema E-Government will man zügig vorankommen und gleichermaßen einen kooperativen Ansatz “fahren”. Das E-Government-Gesetz für den Freistaat befindet sich gegenwärtig in der letzten Abstimmung und soll in Kürze ins Kabinett eingebracht werden, um noch in diesem Jahr in Kraft zu treten. Ein Aspekt, den Hintersberger in diesem Zusammenhang besonders unterstrich: Durchführung eines Normen¬screenings, um die Schriftformerfordernisse im Einzelnen auf den Prüfstand zu stellen.
Doch nicht nur das eigene staatliche E-Government-Angebot soll weiter verbessert werden. Im November erneuerte Finanzminister Dr. Markus Söder mit Vertretern der vier kommunalen Spitzenverbände in Bayern den E-Government-Pakt.
Auf einige Details des Paktes ging Dr. Rainer Bauer, IT-Abteilungsleiter im Bayerischen Mi-nisterium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat, in seinen Ausführungen ein.
Der Pakt besteht im Wesentlichen aus drei Kernbereichen: Bayernportal, Geoinformationen und IT-Sicherheit.
Über das Bayernportal will der Freistaat seinen Kommunen zukünftig drei Dienste kostenlos anbieten: eine BayernID für den sicheren Zugang zum Portal, ein digitales Postfach und eine E-Payment-Funktion. Eine entsprechende Schnittstelle zum Portal wird den Kommunen durch die AKDB (Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern) zur Verfügung gestellt.
Im Bereich der Geoinformationen werden den Kommunen Geodaten-Services bereitgestellt, welche diese in ihren Planungsverfahren unterstützen. Dr. Bauer verwies in diesem Zusammenhang auf das aktuell laufende Projekt “Digitalisierung der Schulsprengel”, von deren Ergebnissen nicht nur die Verwaltung profitiert, sondern etwa auch Eltern von zukünftigen Schulkindern, die sehen können, im Einzugsbereich welcher Schule sie wohnen, oder Busunternehmen, die auf der Basis der örtlichen Schülerzahlen und deren räumlicher Verteilung die Schulbusrouten optimal gestalten können.
Der Kernbereich IT-Sicherheit basiert im Wesentlichen auf zwei Säulen, dem Bayernnetz und einem zwischen Freistaat und Kommunen abgestimmten IT-Sicherheitskonzept.
Das Bayernnetz, dessen Ausschreibung unmittelbar bevorsteht, soll eine ausschließlich verschlüsselte Übertragung der Daten gewährleisten und allen Kommunen zur Verfügung gestellt werden, jedoch nicht kos¬tenfrei.
Beim Sicherheitskonzept setzen die Bayern auf ein Informationssicherheits-Management in zwölf Schritten – kurz ISIS 12 –, um sich BSI-konform gegen Cyber-Bedrohungen zu schützen. Immerhin verzeichnet allein die Staatsregierung täglich rund 40.000 Angriffe.

Die Technik ist da?

Die politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen müssen stimmen, um beim E-Government mit den Erwartungen von Bürgern und Wirtschaft Schritt zuhalten. Doch wie steht es eigentlich um die technologische Ausstattung der Verwaltung?
“Die Technik ist da”, erklärte Dr. Petra Wolf, Executive Director des Institute for Public Information Management (ipima) an der Technischen Universität München. Man brauche jedoch ein Konzept für das Ineinandergreifen der verschiedenen Verwaltungsleistungen. “Erst dann wird die Verwaltung auch wirklich smart”, so Dr. Wolf. Dieses Ziel verfolge derzeit das Projekt FIM (Föderales Informationsmanagement), in dem die Wissenschaftlerin sich ebenfalls engagiert.
Wolfs Einschätzung zur Verfügbarkeit der Technik mochte Peter Onderscheka, Leiter des Geschäftsbereichs IT-Strategie und IT-Sicherheit bei der Landeshauptstadt München, nicht so recht teilen. Die technologischen Prozesse setzten der Verwaltung bei ihren Angeboten doch Grenzen, ebenso wie die hohe Segmentierung der Daten, das Vergaberecht, aber auch das Tarifrecht, etwa wenn man an die Betreuung einen 24/7-Twitter-Accounts denke.
Für Christian Weber, Leiter E-Government für KMU (Kleine und mittelständische Unternehmen) im Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung, kommt es gar nicht darauf an, dass die Verwaltung technologisch stets mit den Angeboten der Wirtschaft Schritt hält. Dem Schweizer ist es vielmehr wichtiger, dass man “intelligente Lösungen” findet. Unterstützung erhielt er dabei von Christian Bähr, Referatsleiter aus dem Bayerischen Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat. Es lohne sich insbesondere, sich bei den E-Government-Angeboten auf massen- und alltagstaugliche Verfahren zu konzentrieren. Dies werde durch den Erfolg der elektronischen Steuererklärung ELSTER deutlich.

Bürger und Wirtschaft im Blick?

Vor dem Hintergrund der Digitalisierung der Gesellschaft, wird ein leistungsfähiges digitales Angebot des Staates zukünftig auch immer mehr zu einem wichtigen Standortfaktor für die Wirtschaft. Umso wichtiger ist es für Onderscheka, den Dialog mit der Wirtschaft weiter zu stärken und entsprechend den Wirtschaftsfokus von E-Government-Angeboten zu verbessern. Konkret sprach er sich dafür aus, auch juristischen Personen den Zugang zu Bürgerportalen zu ermöglichen.
Und noch ein weiterer Punkt wurde klar: E-Government ist nicht per se ein Einsparprogramm. Im Gegenteil, bei vielen E-Services Verwaltung entsteht dieser – zumindest kurz- und mittelfristig – ein Mehraufwand, der letztlich auch entsprechend mehr finanzielle Ressourcen erfordert.
Umso wichtiger ist es, auch das wurde auch auf dem Zukunftskongress Bayern vielfach deutlich, im Sinne der Entwicklung des E-Government, eine an den Mehrwerten und nicht an den Problemen orientierte Diskussion zu führen, die auf Kooperation setzt und auch bereit ist, sich an Best-Practices zu orientieren.

Hintersberger
Bayerns Finanzstaatssekretär Johannes Hintersberger trat auf dem Zukunftskongress Bayern mit Verve für die digitale Transformation des Freistaats ein.

Westerfeld
Hessens ehemaliger CIO Horst Westerfeld brachte seine langjährige Erfahrung und Expertise in die Diskussionen des Kongresses ein.

Von DACH nach Europa
Deutsch-Österreich-Schweiz-Austausch zur Staatsmodernisierung in München

Derzeit ist Deutschland noch in der eigenen Zersplitterung gefangen: “Wenn wir das Wohl der Nutzer im Blick haben, muss E-Government bei den Kommunen anfangen, über den IT-Planungsrat in Bund und Ländern abgestimmt und dann nach Europa”, sagte Wolfgang Bauer, Ministerialrat im Bayerischen Finanzministerium. Österreich habe hier seine Hausaufgaben bereits gemacht und könne in Europa tätig werden, Deutschland jedoch sei noch nicht so weit, so sein nüchternes Fazit.
Bislang sei E-Government eher theoretisch als praktisch behandelt worden, daher rührten auch die schlechten Nutzerzahlen: “Was der Bürger bei Amazon erlebt, erwartet er auch von der Verwaltung”, erläuterte Bauer. Dafür müssten vor allem die Prozesse noch mal betrachtet und gänzlich neu überdacht werden bis hin zur Abschaffung bestimmter Schritte: “Brauchen wir zum Beispiel wirklich noch eine Geburtsurkunde?” Bauer sprach sich für “Test- und Erprobungsräume” aus, die im IT-Planungsrat verankert werden, damit weniger diskutiert und mehr umgesetzt würde.

Quo vadis IT-Planungsrat?

Dem pflichtete Eberhard Wurs¬ter, Abteilungsleiter IT, E-Government, Verwaltungsmodernisierung im Innenministerium Baden-Württembergs, bei: “Bis¬lang ist für den Bürger relativ wenig im IT-Planungsrat geschehen”, so sein Urteil. Die Ausrichtung des E-Governments an konkreten Lebenslagen müsste gestärkt werden, um da anzusetzen, wo die Bürger Bürokratie an meisten spürten. Allerdings sei die Rolle des IT-Planungsrats noch nicht abschließend geklärt: “Soll das Gremium operativ E-Government-Projekte in den Ländern umsetzen? Soll er nur Standards setzen? Oder soll er Projekte anstoßen und koordinieren?”, fragte Wurster, wobei er selbst zu Letzterem tendiere. “Ginge es nach der AG 3 des IT-Gipfels, müssten wir die föderale Struktur beim E-Government über Bord schmeißen und den Bund die Standards bestimmen lassen. Das halte ich für falsch”, verdeutlichte Wurster. Dennoch müssten gemeinsame Standards und Schnittstellen zwischen den Systemen, z.B. bei der E-Akte, umgesetzt werden.

Koalitionen vor Standards

“Eine lokale Fokussierung auf Innovation verhindert, dass der Gesamtstaat ganzheitlich weiterkommt”, fasste Prof. Reinhard Riedl von der Hochschule Bern die Problematik eines Föderalstaates zusammen. Was Riedl hier für die Schweiz anmerkte, passt auch zur Situation in Deutschland. Wobei die Eidgenossen ihre Föderalität noch bewusster leben als hierzulande: “Die Kantone genießen eine große Autonomie, z.B. gilt in jedem Kanton ein eigener Datenschutz. Grundsätzlich gilt, jeder trägt für sich selbst die Verantwortung”, fasste es Riedl zusammen. Als Erfolgsgeheimnis, warum E-Government in der Schweiz dennoch funktioniert, betrachtet Riedl 1:1-Gespräche mit jedem einzelnen Kanton. “Dabei ist dann die entscheidende Frage, ob das Kanton die Sys¬tem- oder die Lokalsicht einnimmt.” Er empfahl, vorerst über Pilotprojekte die “Willigen” zusammenzusuchen und nicht gleich Standards in den Blick zu nehmen. Dies gelte auch für die europäische Ebene. Hier geht es beim E-Government für Reinhard Riedl klar um die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den USA und Asien. Es bedürfe eines “Digital Single Markets” mit einer gemeinsamen Infrastruktur, von eID bis Cloud. “Die digitalen Ländergrenzen müssen abgeschafft werden”, so Riedls Plädoyer.
In Österreich wurde bereits 2003 mit dem “Digitalen Österreich” eine “Art Pakt zwischen Bund, Ländern und Kommunen geschlossen”, berichtete Chris¬tian Rupp, Sprecher Digitales Österreich im dortigen Bundeskanzleramt. Seitdem ist viel geschehen im Nachbarland: “Wir haben ein E-Payment-Modul, einen Styleguide für Formulare, eine Anzahl an Verfahren und seit dem 1. November 2014 auch ein zentrales Personenstandsregister”, erläuterte Rupp. Bereits 2003 führte die Bundesverwaltung den “elektronischen Akt” ein und zudem werden nur noch E-Rechnungen akzeptiert. “Allein mit der elektronischen Rechnung sparen wir rund zehn Euro pro Rechnung – bei 500.000 Rechnungen eine beachtliche Einsparung.”

Europa im Blick

Österreich wendet den Blick stark nach Europa: “Wir exportieren bereits heute unsere Technologie vor allem in den mittelosteuropäischen Raum: Rumänien, Bulgarien, Mazedonien, Slowenien, Kroatien, Albanien.” Europa brauche eine gemeinsame Agenda, forderte Rupp: “Big Data, selbstfahrende Autos, RFID, NFC, 3-D-Dru¬cker, Cloud, Cybersecurity, bei allen diesen Themen müssen wir zusammenarbeiten”, betonte Rupp nachdrücklich.
Gemeinsame Standards forderte auch Dieter Jagodzinska, Area Manager DACH bei Vortal, einem weltweit agierenden E-Vergabe-Anbieter mit Sitz in Portugal (siehe dazu auch Seite 31). Nationale Standards bei der Beschaffung reichten nicht aus, so Jagodzinska. Im Hinblick darauf gelte es, das EU-Projekt Peppol (Pan-European Public Procurement Online) wieder aufzufrischen. “Derzeit wird es in den einzelnen Ländern noch recht wenig umgesetzt. Aber auch für die Wirtschaft scheint die EU manchmal noch zu fern zu sein”, sagte Jagodzinska.

Rupp
Christian Rupp, Sprecher Digitales Österreich, kann in der Alpenrepublik schon seit 2003 an der Digitalisierung der Verwaltung arbeiten. Kontinuität, die sich auszahlt.

E-Mails sind out
Mobile Kommunikation in Behörden

Private Nutzer haben an behördliche IT-Angebote die gleichen Erwartungen wie an Unternehmen. Bürger differenzieren hier immer weniger. Entscheidend für die Nutzung von IT-Anwendungen sind mehr und mehr Einfachheit und Bequemlichkeit. Das bleibe nicht ohne Konsequenzen für die Bürgerangebote, die die Verwaltung bereitstellt, so Lothar Schindler von der Deutschen Post auf dem Zukunftskongress “Bayern”.
Die deutsche Verwaltung, so Schindler, hänge immer noch im Internet fest. Das Internet ist der dominierende Kanal für die Kommunikation mit dem Bürger. Die gesellschaftliche Entwicklung sei hier aber weiter, sie verlange ein höheres Maß an Flexibilität. Die Verwaltungen Italiens und auch in Österreich hätten diesen Trend bereits erkannt und stellten mobile Angebote zur Verfügung.
Kurznachrichten seien für Jugendliche heute schon wichtiger als persönliche Gespräche. Die E-Mail würden gerade einmal noch sieben Prozent der Zehn- bis 18-Jährigen nutzen. In Unternehmen und auch Verwaltungen sei sie aber die vorherrschende Technologie. “Es ist nur eine Frage der Zeit, bis neue Kommunikationswege auch von Unternehmen und Verwaltungen erwartet werden”, ist sich Schindler sicher.
Die Deutsche Post hat mit der E-Post-Welt eine Lösung für dieses Problem. Basis, aber nicht das alleinige Thema ist der E-Post-Brief. Zur E-Post-Welt gehören unter anderem die E-Post-App und SMISme, ein verschlüsselter Instant Messanger mit End-to-End-Verschlüsselung und einer Selbstzerstörungsfunktion der einzelnen Nachrichten. Mit der E-Post-Businessbox kann Post hybrid – also analog oder digital – versendet werden. Wenn der Empfänger über eine E-Postbrief-Adresse verfügt, werden die behördlichen Schreiben digital zugestellt. Wenn nicht, druckt die Deutsche Post die Sendungen aus, kuvertiert diese und liefert sie physisch über einen Zusteller aus. Diese Aufgaben müssen die Behörden dann nicht mehr übernehmen. Die Mitarbeiter können die Einzel- oder Serienbriefe mit der gewohnten Software am Arbeitsplatz erstellen und anschließend versenden. Ein Ausdruck oder eine Frankierung ist nicht nötig. Das Mail-Programm ist, so Schindler, rechts- und sicherheitskonform.
Vor allem Stadtwerke haben Schindler zufolge großes Interesse an einer solchen Lösung, um damit ihre Sammelkommunikation abwickeln zu können.
Insgesamt biete die E-Post-Welt viele Möglichkeiten für die Kommunikation mit dem Bürger. Stauinformationen, Wartezeitinformationen, Ticketkauf, ÖPNV, Registerauskünfte, Termine, Mitteilungen an die Verwaltung und vieles mehr. Sie kann, so Schindler, in eine bestehende Architektur eingebaut werden. Man kann sie über mobile Endgeräte, aber auch über einen Browser nutzen. Zurzeit stehe die Deutsche Post in Verhandlungen mit Polizeiverwaltungen, die Interesse daran haben.
Das für IT-Sicherheit in Bayern verantwortliche Bayern-Cert zertifizierte vor rund einem halben Jahr die E-Post-Businessbox der Deutschen Post im bayerischen Behördennetz. Bayerns Behörden können so den E-Postbrief nutzen. “Bayern ist das einzige Bundesland, das seinen Kommunen diese Möglichkeit geboten hat”, so ¬Schindler. Man stehe aber auch in weiteren Verhandlungen mit kommunalen Dienstleistern, Rechenzentren und Ländern, um Wege für Kooperationen zu finden.

Schindler
Lothar Schindler, Vertriebsleiter E-Government, Deutsche Post AG, sprach über effektives E-Government.

Cloud first
Mobilität im Verwaltungsarbeiten

Warum ist mobiles Arbeiten in der Verwaltung von Bedeutung? “Mobilität bedeutet schnellere Prozesse und schnellere Prozesse bedeuten Geld sparen”, fasste es Andreas Gremm, Senior Business Technology Architect, CA Technologies, zusammen.
Gremm gab ein Beispiel aus der Praxis. Beim ehemaligen Rechenzentrum Nord der bayerischen Verwaltung ist ein mobiler Service Desk Manager im Einsatz. Die Administratoren seien damit schneller in der Lage, dem Kunden bei Problemen zu helfen, “vielleicht schon auf dem Weg zu Arbeit”, so Gremm. Über die Software ist eine sofortige Ticket-Bestellung möglich und eine Eskalation unabhängig vom Arbeitsplatz. Um eine solche Lösung nutzen zu können, bedürfe es eines Mobile Device Managements.
“Und seien sie sich bei einer Sache sicher: Egal, ob Sie die Smartphone-Nutzung bei der Arbeit erlauben, die Mitarbeiter tun es ohnehin”, gab der Senior Business Technology Architect zu Bedenken. CA Technologies hat in diesem Bereich die Lösung “Smart Containerization” entwickelt, die Gremm im Folgenden vorstellte. Diese sei in den Ausprägungen Mobile Device Management, Mobile Application Management, Mobile Content Management und Mobile E-Mail Management erhältlich. Beim Mobile Application Management bekommt die Behörde die volle Kontrolle, wer, was, wann und wo mit welchen Apps machen darf. So könne bspw. die Kamera ausgeschaltet werden, sobald man sich in die Verwaltung einloggt. Bei der Mobile-ContentManagement-Lösung könnten die Mitarbeiter gemeinsam an Dokumenten arbeiten, mit unterschiedlichen Devices. Auch können den Dokumenten Eigenschaften gegeben werden, bspw. nur angucken, nicht ausdrucken oder speichern. Interessant auch das Mobile E-Mail Management, hier könne inhaltsabhängig erkannt werden, ob eine E-Mail verschlüsselt werden muss oder nicht.
“Falls Sie versehentlich eine Mail an einen anderen Adressaten als beabsichtigt verschickt haben, ist das auch kein Problem: Sie können die Mail zurückziehen, denn sie bleibt bei Ihnen, landet nicht im Speicher des Empfängers”, erläuterte Gremm. Zu guter Letzt machte sich der Experte von CA Technologies noch für Cloud-Lösungen stark: “In Großbritannien heißt es in der Verwaltung schon länger “Cloud first”, dass schont die finanziellen Ressourcen, da nicht jede Kommune eine eigene Lösung anschaffen und hosten muss, sondern mit Software as a Service die Lösung über die Cloud bereitgestellt bekommt”. Dies sei auch als hybride Lösung machbar: Die Daten bleiben inhouse, die App ist in der Cloud gehostet.

Gremm
Andreas Gremm, CA Technologies, setzte sich mit dem Thema Mobilität in der öffentlichen Verwaltung auseinander.

Innovativ ganz ohne Mails
Bayerische Erfindung für die Arbeitswelt der Zukunft

Heutzutage verbringt der Mensch mehr als 12 Stunden in der Woche mit der Bearbeitung seiner beruflichen Mails. “Die Mail sollte eigentlich unsere Geschäftsprozesse unterstützen, ist aber mittlerweile fast ein eigener Geschäftsprozess geworden”, machte Volkmar Rudat, Vice President Customer Engagement von Unify, deutlich. Mobile Zusammenarbeit in Echtzeit anstelle Arbeitszeit fressender E-Mail-Fluten, das sei die Zukunft der Verwaltungsarbeit.
Vor zehn Jahren sei die Welt noch sehr einfach gewesen. Heute seien die Menschen aber privat mittlerweile mit besserer Technologie ausgestattet als an ihrem Arbeitsplatz. Diese Entwicklung verändere nicht nur das Privatleben, sondern auch die Arbeitswelt. Der Trend gehe hin zu einer kontinuierlichen Vernetzung. Egal wo man sei, man sei Teil der Unternehmenswelt. Virtuelle Teams gewinnen mehr und mehr an Bedeutung. Rudat bezeichnet diesen Typus Mensch als den “Anywhere Worker”. Er arbeitet von überall, ist überall vernetzt und hat auch andere Anforderungen an die Technologie: Sie muss einfach sein, sie soll Spaß machen.
Doch der Einsatz von Technologie hat auch Nachteile. Der Wissensarbeiter von heute, so Rudat, verbringe sehr viel Zeit mit der Bearbeitung von E-Mails, dem Suchen nach Informationen und Personen und warte bis zu zwei Stunden pro Woche auf den Beginn von Sprachkonferenzen.
Hier kommt die Millennium-Generation ist Spiel. Diese neue Generation heranwachsender Arbeiter sei sehr wichtig, so Rudat. Sie möge keine Mails, sondern teile sich eher in Blogs mit. “Das sind die Menschen, die wir brauchen werden, um die Verwaltung, den Staat wieder auf Vordermann zu bringen. Es werde ein “War of Talents” um sie entstehen. Und wer diesen gewinnen wolle, müsse seinen Arbeitsplatz radikal umgestalten. Eine neue Art des Zusammenarbeitens werde entstehen. Vor dieser digitalen Transformation müsse die Verwaltung aber nicht zurückschrecken. Im Gegenteil – sie spiele ihr bei Erreichung ihrer wesentlichen Ziele die laut Rudat, Bürgernähe, medienbruchfreie Prozesse, Sicherheit und Kosteneffizienz sind, in die Hände.
Um die Verwaltung auf die digitale Transformation vorbereiten zu können, stellte Rudat die Anwendung “Circuit” vor. Man könne sich darunter einen geschlossenen Kreis vorstellen, der alle Anwendungen einer Kommune zusammenbringe. Der Wert des Tools Circuit liege dabei mehr in seiner Durchgängigkeit als in seinen einzelnen Funktionen und Features, erklärte Rudat. Circuit verbessere die Zusammenarbeit, indem es Sprach- und Videokommunikation, Messaging, Screensharing und Dateientausch in nur einer Ansicht zusammenführe. Dies am Arbeitsplatz und mobil, an jedem Endgerät, aus der Cloud. Der interne E-Mail-Wust nehme damit deutlich ab. “Mails bekommen wir nur noch von extern”, verdeutlicht Rudat das Effizienzpotenzial am eigenen Beispiel.

Rudat
In Volkmar Rudats Vision der Zukunft braucht die Verwaltung nahezu keine Mails mehr zu bearbeiten.

Ein klares Bekenntnis
“Ja” zu grenzüberschreitenden IT-Kooperationen bei der elektronischen Vergabe

Auf Einladung des Behörden Spiegel nahm die Firma VORTAL, als internationaler Anbieter von Lösungen zur elektronischen Vergabe, an einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Zukunftskongresses Bayern teil, um Chancen, Möglichkeiten und Gefahren von staaten- und länderüberschreitenden IT-Kooperationen zu besprechen.
Dieter Jagodzinska, Bereichsleiter DACH bei VORTAL Deutschland, sprach sich in der Runde deutlich für die Schaffung von internationalen, aber mindestens EU-weiten IT-Standards aus. Die weiteren Teilnehmer der Diskussion, Eberhard Wurster, Abteilungsleiter im Innenministerium Baden-Württemberg und IT-Beauftragter des Landes, Christian Rupp, Sprecher Digitales Österreich, Bundeskanzleramt Österreich, Prof. Dr. Reinhard Riedl, Leiter Forschung und Dienstleistungen, Berner Fachhochschule, und Wolfgang Bauer, stellvertretender Abteilungsleiter im Bayerischen Staatsminis¬terium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat, besprochen lebhaft die aktuelle Situation in Europa.
VORTAL ist seit Oktober des vergangenen Jahres in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv. Der Kern der Lösung ist in der VORTAL-Produktumgebung für alle Länder, in denen das Unternehmen tätig ist, gleich und es wird dabei die operative Oberfläche der jeweiligen Gesetzgebung angepasst.
Ein gutes Beispiel für die Schwierigkeiten grenzüberschreitender Kommunikation sind die unterschiedlichen Datei-Formate im Konstruktionsumfeld: in Deutschland findet das GAEB-Format Anwendung, in Österreich die ÖNORM und in der Schweiz heißt das Kind SIA451. Ein europaweiter Standard würde hier den Informationsaustausch natürlich deutlich vereinfachen. Das Problem ist bekannt und selbst innerhalb Deutschlands und seinen Ländern fehlt es noch an marktreifen und generellen Lösungen. Hier ist das Projekt XVergabe als nationale Initiative zu erwähnen. Seit einigen Jahren wird in Projektgruppen unter Führung des Beschaffungsamtes des Innenministeriums definiert, wie zukünftig die unterschiedlichen Vergabelösungen interoperabel in Bezug auf Bieterumgebung und Vergabelösung kommunizieren sollen. Ziel ist es, Vergabeverfahren durch die Vereinfachung des Zugangs einfacher und attraktiver zu machen und damit den Wettbewerb zu steigern. Für dieses Ziel ist es notwendig, die verschiedenen Software-Lösungen so zu verknüpfen, dass Ausschreibungen sys¬temübergreifend eingesehen und durchgeführt werden können. Sinnvoll ist es, diesen Maßstab auch europaweit anzusetzen, sodass auch ein Bieter aus Salzburg oder Basel an einer Ausschreibung aus München oder Stuttgart vereinfacht teilnehmen kann.
Auf EU-Ebene gab und gibt es aktuell einige Projekte, die diesen Ansatz aufgreifen. Hier ist zum Beispiel PEPPOL als Beispiel zu erwähnen, bei dem einige Mitgliedsstaaten sinnvolle Elemente auch tatsächlich umgesetzt haben. Leider werden solche Ansätze in EU-Dimension oft kritisch betrachtet und weniger als Chance begriffen, die Ablaufprozesse für alle Beteiligten einfacher und effizienter zu gestalten. Die Industrieseite greift in der Regel recht schnell solche Ansätze auf und erkennt die Vorteile. “Wir sollten davon absehen, bei Projekten auf EU-Ebene immer erst an Vorschriften zu denken. Insgesamt scheint der Eindruck dennoch – ironisch betrachtet –, dass solche EU-Projekte als Vorgänge einer bösen Macht in einer fremden Welt aufgefasst werden.
“Wir müssen unbedingt davon wegkommen, bei Projekten auf EU-Ebene immer erst an Vorschriften zu denken, wie Traktorensitze beschaffen sein müssen oder welche Krümmungen bei Gurken erlaubt sind. In Wirklichkeit ist es ja genau anders. Ein jeder ist sozusagen aufgefordert oder eingeladen, dabei mitzumachen”, so Jagodzinska. “Innerhalb der Podiumsdiskussion wurde die Frage entgegnet, ob Standards vielleicht zu früh definiert werden. Dazu ein klares “Nein” von unserer Seite. Es ist grundsätzlich gut, wenn sich mehr als zwei Parteien früh, natürlich im legalen Bereich, auf Gemeinsamkeiten einigen und dieses dann auch implementieren und leben. Es ist dabei einfach nur wichtig, dass man auch bereit ist, diese Standards bei neuen Gegebenheiten oder größeren Dimensionen wieder aufzugeben, zu verändern oder zu erweitern. Ich denke, das ist genau die Herausforderung, vor der wir dabei stehen”, so Jagodzinska weiter.
Als praktisches Beispiel dient hier wieder die XVergabe. Die Ini¬tiative macht aus Sicht von VORTAL absolut Sinn, da sich schon für die Publikation deutliche Erleichterungen ergeben. Darüber hinaus ist es für VORTAL aber eben auch wichtig, dieses Thema im Kontext von Interoperabilität in EU-Dimension zu sehen, weil das Unternehmen in mehreren Ländern der EU aktiv auf dem Markt ist. “Natürlich sind wir nicht so egoistisch und sehen nur unseren Vorteil. Auch für die Bieterseite, da ist unsere Aufgabenstellung für Deutschland, Österreich und die Schweiz wieder das beste Beispiel, ergeben sich wesentliche Vorteile. Das bedeutet aber eben auch, dass nationale Standards oder Initiativen so flexibel gestaltet und gelebt werden, dass sie gegebenenfalls erweitert werden können”, so Jagodzinska abschließend.


Hauptprogramm

  • “Der E-Government-Pakt” – Freistaat und Kommunen gestalten die digitale Verwaltung, Dr. Rainer Bauer, Abteilungsleiter im Bayerischen Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat
  • Die Digitale Agenda für Österreich und Europa, Christian Rupp, Sprecher Digitales Österreich, Bundeskanzleramt Österreich
  • Effektives E-Government, Lothar Schindler, Vertriebsleiter E-Government, Deutsche Post AG
  • Sichere Mobilität in der Verwaltung, Andreas Gremm, Senior Business Technology Architect, CA Technologies
  • Die digitale Transformation: Auswirkungen auf den Verwaltungsarbeitsplatz, Volkmar Rudat, Vice President Customer Engagement, Unify GmbH & Co KG
  • Smart in allen Bereichen – nur nicht beim E-Government?, Dr. Petra Wolf, Executive Director, Institute for Public Information Management – ipima

Workshop I: E-Akte – Verwaltungsprozesse effizienter, transparenter und sicherer gestalten

  • Olaf Rohstock, Direktor, Governikus GmbH & Co
  • Wolfgang Koehler, Referent für Allgemeine Verwaltung, Stadt Nürnberg
  • Christian Baumeister, Managing Consultant, ]init[ AG
  • Thomas Weber, Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr

Workshop II: IT-Sicherheit – Wie sich Behörden gegen die wachsende Cyber-Bedrohung schützen können

  • Dr. Andreas Mueck, IT-Sicherheitsbeauftragter (CISO) des Freistaats Bayern
  • Frank Fukala, Beirat, Bayerischer IT-Sicherheitscluster e.V.

Workshop III: E-Vergabe – Auf dem Weg zur durchgehend elektronischen Beschaffung

  • Daniel Zielke, Leiter Marketing und Vertrieb, Healy Hudson GmbH
  • Andrea Seiler, Zentrale Vergabestelle / Projektleitung E-Procurement, Bayerisches Landesamt für Steuern
  • Jan Peter Guehlk, Geschäftsführer, Verlag Bayerische Staatszeitung GmbH, Staatsanzeiger Online Logistik GmbH
  • Günther Pinkenburg, Geschäftsführer, Mayburg Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

Workshop IV: Breitbandausbau – Eine Datenautobahn für Bayern

  • Alfons Steimer, Leitender Vermessungsdirektor, Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Regensburg
  • Stefan Graf, Direktor, Referat Breitband, Bayerischer Gemeindetag
  • Dr. Ernst-Olav Ruhle, Vorstand, SBR-net Consulting AG

Workshop V: Geoinformationen – Datenschätze heben und nutzbar machen

  • Angelika Jais, Bayerisches Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat
  • Lars Behrens, stellvertretender Geschäftsführer, Geschäftsstelle der Kommission für Geoinformationswirtschaft an der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
  • Bernard Weber, Geschäftsführer, Intetics GmbH
  • Thomas Kukuk, GAF AG

Workshop VI: Prozessmanagement aus einem Guss – Medienbruchfreie Prozesse als Grundlage effizienter Verwaltungsabläufe

  • Daniel Marques, Sales Manager, Signavio GmbH
  • Dr. Tim Habermann, Geschäftsführer, ppp4its GmbH
  • Klaus Geiger, Referent, Bayerischer Landkreistag
  • Clemens Krueger, Leiter Marketing, Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern (AKDB)